"BGM ist nicht sexy" - und trotzdem wichtiger denn je.
Rückblick ERZgesund Gesundheitsforum 2026
Ein Blick zurück – und nach vorn
Was vor rund 125 Jahren in den Schächten rund um Oelsnitz selbstverständlich war, ist heute kaum vorstellbar. Mit diesem Gedanken eröffnete Alexander Fuchs, Projektleiter der BGF Beratungs- und Koordinierungsstelle ERZgesund, das Gesundheitsforum 2026 in der KohleWelt Oelsnitz. Begriffe wie Betriebliches Eingliederungsmanagement oder moderne Standards im Arbeits- und Gesundheitsschutz wären damals wohl undenkbar gewesen – heute sind sie wichtige Bausteine einer modernen Arbeitswelt.
Unter dem Titel „Dreiklang des Betrieblichen Gesundheitsmanagements“ kamen am 24. September 2026 Unternehmen, Fachleute und Gesundheitsakteure aus dem Erzgebirge zusammen. Im Mittelpunkt standen neue Impulse und die Frage, wie Betriebliche Gesundheitsförderung, Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Betriebliches Eingliederungsmanagement zusammenspielen und Gesundheit im Unternehmen zukunftsfähig gestaltet werden kann.



Keynotereferat: Gesundheit neu denken – mit Humor und frischen Impulsen
Den Auftakt machte der bekannte Gesundheits-Papst Prof. Dr. Volker Nürnberg mit einem Vortrag, der nicht nur informierte, sondern auch zum Schmunzeln und Nachdenken einlud. Mit provokanten Aussagen wie „BGM ist nicht sexy“ stellte er gängige Vorstellungen rund um das Betriebliche Gesundheitsmanagement auf den Prüfstand. Auch die These „Wir machen die Gesunden noch gesünder“ hinterfragte der allseits gefragte Dozent kritisch und machte deutlich, dass Gesundheitsangebote im Unternehmen vor allem diejenigen erreichen müssen, die sie tatsächlich benötigen. Eine weitere Zahl blieb dabei besonders im Gedächtnis: 15 Prozent von 15 Prozent – ein Hinweis darauf, dass mit klassischen BGM-Angeboten häufig nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Beschäftigten erreicht wird. Nürnberg zeigte auf humorvolle und zugleich pointierte Weise, dass betriebliche Gesundheitsarbeit deshalb immer wieder neu gedacht und an den tatsächlichen Bedürfnissen der Beschäftigten ausgerichtet werden muss.



Gesundheit ist mehr als ein einzelnes Puzzleteil
Wie vielfältig Betriebliche Gesundheitsförderung und Betriebliches Gesundheitsmanagement sein können, zeigte sich anschließend in den weiteren Programmpunkten.
ERZgesund gab zunächst mit Fachberaterin Silvana Wallussek einen Einblick in den ERZgesund-Siegelprozess und damit in einen Ansatz, mit dem Unternehmen ihre Aktivitäten im Bereich BGF und BGM systematisch betrachten und weiterentwickeln können.
Ein besonderes Highlight des ERZgesund Gesundheitsforums waren die drei exklusiven Bühnen-Slots, in denen die Aussteller ihre Angebote und Leistungen aus dem Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung direkt vor dem Publikum präsentierten. Kerstin Mayer vom Fitnesspark Aue nahm die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit in die vielfältige Welt der Gesundheitsangebote. Ein Puzzleteil wurde dabei zum Symbol für ihre Botschaft: Gesundheit setzt sich aus vielen Bausteinen zusammen – und jeder einzelne kann dazu beitragen. Die BGprevent GmbH, vertreten durch Susanne Rössler, gab einen Einblick in ihr vielfältiges Angebot rund um Arbeitssicherheit, Brandschutz, Prävention und praxisnahe Schulungen. Ein besonderes Highlight wartete anschließend am Messestand: Mit dem Virtual Firetrainer konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Brandschutz und Löschtraining interaktiv und realitätsnah erleben. Das Energiewerk aus Oelsnitz setzte anschließend auf Bewegung und Muskelgesundheit. Mit dem Gedanken, dass unsere Muskeln ständig „gefüttert“ werden wollen, wurde anschaulich vermittelt, warum regelmäßige Bewegung nicht nur den Körper, sondern auch die mentale Fitness stärkt. So machten die drei Bühnenbeiträge auf ganz unterschiedliche Weise erlebbar, wie vielfältig Betriebliche Gesundheitsförderung sein kann und welche Impulse Unternehmen für die Gesundheit ihrer Beschäftigten setzen können.



Drei Workshops – drei Perspektiven auf betriebliche Gesundheit
Nach den Impulsen ging es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei interaktive Workshoprunden. Das Besondere: Die Gruppen rotierten, sodass jeder die Möglichkeit hatte, alle drei Bereiche kennenzulernen. Im Workshop von Dr. Robert Brauer, Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologe bei AMD TÜV Arbeitsmedizinische Dienste GmbH, stand der Arbeitsschutz im Mittelpunkt. Unter dem Titel „Psychisch Gesunde Organisation. Mit Sicherheit.“ wurde der Blick insbesondere auf die psychische Gesundheit in Organisationen und die Frage gerichtet, wie Arbeitsschutz und psychische Gesundheit zusammengedacht werden können. Denise Fuchs, externe BEM-Fallberaterin, widmete sich dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement. Unter dem Titel „BEM praxisnah gestalten – gemeinsam Lösungen entwickeln“ ging es um konkrete Praxisbeispiele, rechtliche Grundlagen und die Frage, wie BEM so gestaltet werden kann, dass gemeinsam tragfähige Lösungen entstehen.



Die dritte Workshoprunde führte direkt auf die ERZgesund Gesundheitsmesse. Beim interaktiven Messebesuch konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedene Angebote und Möglichkeiten der Betrieblichen Gesundheitsförderung kennenlernen, Fragen stellen und mit den Ausstellern ins Gespräch kommen.Die Messe wurde sehr gut angenommen. Die Aussteller berichteten von zahlreichen guten Gesprächen und wertvollen Kontakten. Damit wurde zugleich sichtbar, was sich auch über das gesamte Gesundheitsforum zog: Unternehmen im Erzgebirge setzen sich zunehmend mit betrieblicher Prävention auseinander und investieren in die Gesundheit ihrer Beschäftigten.



Auf dem Podium: Gesundheitsreform 2026 - Rückenwind für die betriebliche Prävention?
Zum Abschluss des Forums wurde es noch einmal politisch und zugleich sehr praxisnah. Alexander Fuchs begrüßte auf dem Podium: Ilona Wojnowski, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK PLUS, Prof. Dr. Volker Nürnberg, Jana Dost von der IHK Chemnitz, Geschäftsführerin der Regionalkammer Erzgebirge, sowie Tom Meyer, Niederlassungsleiter Sachsen/Thüringen von AMD TÜV Arbeitsmedizinische Dienste GmbH über die Auswirkungen der Gesundheitsreform 2026 auf die betriebliche Prävention. Tom Meyer war kurzfristig für Anke Hamann – Beigeordnete des Landrates/ Landkreis Erzgebirge eingesprungen, die leider nicht teilnehmen konnte.
Eine der Fragen lautete: Wenn Sie die Gesundheitsreform mit einem Emoji beschreiben müssten – welches wäre es und warum?
Jana Dost und Ilona Wojnowski entschieden sich für das neutrale Emoji 😐. Ihre Einschätzung: In der Reform steckt noch Potenzial für eine stärkere Präventionsarbeit. Zudem seien zum Zeitpunkt der Diskussion noch nicht alle Bereiche der Reform veröffentlicht beziehungsweise abschließend ausgestaltet. Prof. Dr. Nürnberg und Tom Meyer wählten dagegen das zwinkernde Emoji 😉. Beide sehen bereits viel Potenzial in den aktuellen Entwicklungen und zeigten sich optimistisch, dass sich daraus weitere positive Veränderungen ergeben können.
Besonders deutlich fiel die Antwort auf die zentrale Frage des Podiums aus: „Ist die aktuelle Gesundheitsreform Rückenwind oder Rückschritt für die betriebliche Prävention?“
Hier herrschte Einigkeit: Rückenwind. Alle vier Podiumsgäste sahen in den aktuellen Entwicklungen positive Ansätze für die betriebliche Prävention. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Reform noch weiterentwickelt wird und viele konkrete Fragen – unter anderem zur Finanzierung und zur stärkeren Verankerung der betrieblichen Prävention – weiter diskutiert werden müssen. Bereits veröffentlichte Stellungnahmen und geplante Veränderungen weisen jedoch aus Sicht der Podiumsteilnehmer auf eine stärkere Bedeutung der betrieblichen Prävention hin.



Ein Forum mit einer klaren Botschaft
Das ERZgesund Gesundheitsforum 2026 hat gezeigt: Betriebliche Gesundheit ist kein einzelnes Angebot, sondern ein Zusammenspiel aus BGF, Arbeits- und Gesundheitsschutz und BEM. Keynote, Workshops, Gesundheitsmesse und Podiumsdiskussion machten deutlich, wie vielfältig die Möglichkeiten sind – und wie wichtig ein ganzheitlicher Blick auf Gesundheit im Unternehmen ist.
Gleichzeitig wird sichtbar: Im Erzgebirge bewegt sich etwas. Unternehmen informieren sich, tauschen Erfahrungen aus, entdecken neue Angebote und investieren zunehmend in Prävention und Gesundheit.
Genau hier setzt ERZgesund an: Wir bringen Unternehmen, Fachleute und Gesundheitsakteure zusammen, geben Impulse und schaffen Raum für Austausch – damit Gesundheit Schritt für Schritt zu einem festen Bestandteil guter Unternehmenskultur wird.
Vielen Dank an alle Referentinnen und Referenten, Aussteller, Podiumsgäste sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die vielen Gespräche, Ideen und Impulse!